Franz Steinbacher Moralrede

Well-deserved death sentence, including a moral speech, of Franz Steinbacher, who was executed with a sword on May 23th, 1770 in Munich.

Franz Steinbacher was sentenced to death by the sword after being the look out for his accomplices during a robbery of a church and a farmer.  This moral poem quotes proverbs 29 and the moral poem serves a religious function.   

 

Moralrede of Franz Steinbacher

 

Moralrede.

Qui cum fure participat, odit animam fuam Prov. 29

 

der holzstoss wesset noch die jämmerliche Spur,

Auf welchem Gablers Seel,zu jenem Richter fuhr,

Der nicht betrügen kann, und nicht bewogen werden:

Der ausgebrannte Leib ist Asche, Staub, und Erden,

Und liegt an diesem Ort mit Erde zugedeckt,

Bis der Posaunethon ihn wieder auferweckt.

Mit Schrecken sahen wir vor eben neunzehn Tagen

Das traurigste Gerüst hier in der Hoehe ragen;

Wir sahen jenen Pfahl, und die Maschine wohl,

An welchem Gablers Leib gedrosselt schmachten soll:

Doch was der Arme hat an Geist und Leib empfunden,

Als man ihn Hinderwerts die Hände fest gebunden,

Was er gedenkt, gefühlt, wie ihm das Herze schlug,

Aus seiner Kehle schon den letzten Athemzug

Durch Strick, und Feur zugleich der Henker prophezeyhte.

Und in dem Angesicht so vieler tausend Leute,

Sein toedtlich Handwerk trieb, weis keiner sonst als er;

Des Todes Anblick war ihm viel erschrecklicher

Als selbst die Qual des Tods. Wie fahren noch zusammen,

Wenn unßer Sinn gedenkt an das Gekrach der Flammen,

Und wie der arme Leib voll Unrath , und Gestank

 Auf sein entbrannes Gras verbrennend niedersank.

Ihr Spötter: habt ihr auch wohl dieses Feuer betrachtet,

Die ihr Hoelle bloss fuer Kinderpossen achtet,

Fuer Maerchen, die ein Pfaff aus Eigennuss erdacht,

der Teufeln noch so schwarz und peinen graesslich macht?

 

Läßt die Gerechtigkeit sich hier so schrecklich finden,

Mie wollet ihr denn GOtt erst dort die Hände binden?

Glaubt nur das jene Glut, die Seel und Leiber frisst,

Nicht ein gemaltes Feur, kein Traum der Pfaffen ist.

Ihr werdet, doch vielleicht, vielleicht zu spät erkennen

Ein nur zu wesentlich, und gar zu wahres Brennen.

Ach! Armer denke doch du gehst auf Tag und Nacht

 Zum Land der Ewigkeit, wo Heil, und Jammer wacht;

Kein Tritt, du wirst zugleich nach ihrem Reich getragen:

Kein Schlag an deinem Puls, du hörst sie stärker schlagen:

Kein Augenblick, du siehst sie näher vor dir stehn,

Unb hier erzürnt, und dot vergnügt entgegen gehn.

Wie? darfst du deinem GOtt auch einst die Hände drücken.

Und dich in seinem Saal, und Heiklgthum erquicken?

Wie? weil er ewig ist, wirst du auch Heil, und Trost,

Der Auserwählen Glück, der reinen Geister Kost,

So langdu leben wirst, ln Zions Mauren schmecken,

Und dich mit frohem Arm nach deinem Schöpfer strecken?

Wie? oder wird er einst dein strenger Richter fern?

Kommt dein gerechter GOtt mit ewig langer Pein,

Mit Ungestimm, und Zorn, mit Folter, Rad, und Zangen

Wann die Posaune klingt, zu seinem Grab gegangen?

O Seele! mache dich nur bald von Sünden frey,

Bedenke, daß der HErr, dein Schöpfer ewig sey,

Und den, der dem Laster dient, in tausend Jammer führe,

Und den, der Tugend liebt, mit Glück und korbern ziere.

Ihr, die ihr GOtte« Haus und Heiligthum entehrt,

AufKirchenschätze bös von Kirchcnschätzen zehrt,

Ihr starken Geister ihr, die ihr euch so versteiget,

Daß ihr das stolze Knie vor GOtt nicht einmal beuget,

Wenn

Wenn ihr des Priesters Hand vor allem Volk erhebt,

Du Pharisäer Volk, das auf den Schein nur lebt,

GOtt mit l^en Lippen bloS, und nicht im Herzen ehret,

Auf Publikanen stucht, und anderst thut, als lehret;

Ihr alle, die ihr euch an seinem Haus vergreift,

Wißt, daß die Strafe schon in eurem Busen reift!

Geht eine neue Prob an diesen armen Sünder,

Wie er des Frevel straft dort schärfer hier gelinder,

Der Unvorsichtige nahm Theil an GOtteS Raub,

Und wird, wie Gabler, nicht verwandelt zwar in Staub,

Doch muß er durch das Schwerdt sein Leben spöttlich enden,

Er muß zu jenem GOtt nun Llug und Herze wenden, /

An dessen Gegenwart er vormals nicht gedacht,

Er hat sich diesen Gang, den Kreutzgang selbst gemacht:

Sein aufgesteckter Kopf mag immer Spehe stehen,

Wenn nur die Himmelfahrt wird gut von statten gehen.

Der Kreutzzug geht schon an, der Henker und der Scheg

Begleiten ihn, wohin? acb! auf den Galgen »Berg.

Wird er den letzten Streich geduldig überwinden,

So mag er heute noch im Himmel Zutritt finden.

Nun Büsser! sey getrost, stell deinen Kummer ein,

Die Liebe läßt dich nicht hier ohne Hoffnung seyn,

Sie kommt, und kämpft, und siegt mit Waffen dich zu gürten,

Womit du zwingst, und beugst, die dich bekriegen würden.

Der Geist, des Vaters Geist hilft deiner Schwachheit auf,

Stärkt dich mit Kraft und Macht, befördert deinen Lauf,

Versüßt daS letzte Weh. versalzt die Luft der Erden,

Meitzt, wenn die Hände schwach, die Füße müde werden,

Führt über Golgotha, weißt recht zum Heilgen Stamm,

Lenkt das verirrte Schaaf nach diesem GOttes Lamm.

Tränkt,wenn die Zunge dorrt, stärkt dir geschwächten Glieder,

Und giebt dir nach dem Fluch des Segens-Erbtheil wieder.

Dieß ist der starke Schild, den dein Erlöser schenkt,

Und der bewährte Trost, wann Welt und Sunde kränkt.

Drum wann sich alle Pein, und Angst und Roth verschwören,

Dich, weil du kämpfen musst, in deinem Kampf zu stöhren,

So glaube, daß der Herr, der deinen Raub bewegt,

Der Held, der deine Last auf seinem Rücken trägt,

Der Geist, der deinen Arm zum letzten Todskampf treibet,

Dir bey völlkommner Reu getreu, und gnädig bleibet.

Und seht! der schwere Streit ist wirklich nun vorbey,

Die losgemachte Seel ist ihrer Banden frey.

Ihr Eltern schauet doch in diesen Schreckenspiegel

Läßt euren Kindern doch nicht selber Zaum und Zügel,

Ein wohl gerathner Baum muß jung gebogen seyn,

Prägt ihrem Herz die Furcht und Liebe GOtteS ein! 

Man sieht, wie mancher Mensch noch eine Kinderlehre

Das ganze Jahr hindurch noch eine Predigt höre,

Weil ihm die Zeit hierzu und Weile nicht erkleckt,

Die sich beym Sauf-Lager auf halbe Nächte strekt.

Man sieht, wie lange man bey Bühnen müßig sitzet

Und in der Kirche gleich das Ohr gewaltig spitzet,

So bald ein Priester kommt, der eine Messe lißt,

Die nicht geschwinder aus, als angefangen ist.

Gebt GOtt, was GOtteS ist, dem Kaiser seinen Groschen,

In einem solchen Herz, wo Gottesfurcht erloschen

 Wächst keine gute Frucht, so sorget dann und wacht,

Und nehmt der Kinder Heil, noch weil es Zeit in acht.

Franz Steinbacher Moralrede