Caspar Rhain Moralrede

Well-deserved death sentence of Caspar Rhain, who was executed with a sword for his gruesome robbery of a hermit in Olstatt on October 19th, 1771, and then his corpse was placed on the wheel.

This Moralrede describes the crime committed by Caspar Rhain and his brother. He commited various different robberies and eventually was sentenced to death by the sword.  

Moral Poem of Caspar Rhain

 

Beschluß der vorigen drey Moralreden.

 

Nun ist der Samstag da, sein Bruder folgt ihm nach,

Das Schwerdt ist schon entblößt, sein rundes Schlafgemach

Liegt in dem Grase dort, und wartet auf die Glieder,

Ihr Unglückselige, o ihr fast gleiche Brüder!

Im Leben, und im Tod! wie muß dir Caspar Rhain!

Vor deinem Tode noch ein harter Anblick seyn?

Wer schildert mir das Meer der wallenden Gedanken,

Wenn du des Bruders Leib siehst an dem Galgen wanken?

O jämmerliches End O schreckenvoller Tag!

Der unter einem Herz vor wenig _____ lag!

Dein Bruder Hannß Georg fault dreyen Saulen,

Und du must auf dem Rad nicht weit von ihm verfaulen,

Da heißt es wahrlich auch nichts Bruder in dem Spiel:

Ihr hattet beyderseits ein gleiches Lebensziel,

Und must zu gleicher Zeit an einem Orte sterben,

Der hangend in der Luft, du auf dem Rad verderben.

Seht! dieses ist der Lohn, die Beute, der Gewinn,

Den euch die Raubbegier läßt an dein Ende ziehn!

Gesellschaft! ach wie weit verleiht du die Sinnen,

Daß sie nichts ehrliches, nichts Gutes mehr beginnen?

Nebst Schwaigern giengest du zum Raub nach Olstatt fort

Der Claußner öfnete die Thür auf Sinons Wort:

Ihr greift ihn an, es folgt ein scharfes Handgemenge:

Doch Zahl, und Stärke trieb den Claußner in die Enge

Indem er allbereit durch einen Schlage Ring

Die Wunden an dem Kopf, und anderswo empfieng,

 

Ohnmöglich könnt er sich von euer Hand erretten,

Ihr hieltet (fromme Lust!) mit ihm die Pumpermetten,

Weil eben dazumal die Marterwoche war.

So lauft die Einsamkeit auch selber in Gefahr!

So wird die Armuth selbst ein Raub der Lotterbuben?

Allein die Grube, die sie ihrem Nächsten gruben,

Wird ihres Grabes Theil, und die Gerechtigkeit

Erhört des Blutes Ruf, das Rache! Rache! schient;

Die Jugend wird da nicht an diesem Ort verschonet,

Ein jeder wird nach Maaß der Frevelthat belohnet.

Ihr, die ihr immerhin nach fremden Garben seht.

Und wie ein Raubethier auf Blut, und Raube geht,

lenkt eure Augen hin zu dieser Schedelstätte,

Und nehmet wohl in acht das bange Strafgeräthe!

Drum ach! Ihr Sünder thut in euerm Spiel gemach!

Auf kurze Luste folgt ein jammervolles Ach:

Der Schöpfer lebt, und rächt, die Zeit, und Glück verscherzen

mit ungemesstner Qual, mit unerhoertem Schmerzen

Er lebt, und kürzt das Ziel der frechen Sünder ab

Graebt dem Verfuehrer Schwarm ein Angsterfuelltes Grab;

Er lebt, und läßt das Herz derjenigen zerspalten,

Die sich an keine Pflicht, und Tugend-Regel halten

Er lebt, regiert, und herrscht in alle Ewigkeit» ,   ^

 

läßt den der Engel des Blut und Eyter trinken.

Und, will dem Tempel glänz Schwerdt, als Krone blinken.

wolh dem, der Busse thut, und hier noch auf der Welt,

Roch in der Gnadenzelt GOtt in die Hände fällt,

Wer noch wie Dismas kann am Creutze Gnad erwerben,

Und hier geduldig stirbt nicht ewig Dort zu sterben

 

Caspar Rhain Moralrede