Joseph Renner Moralrede

Well-deserved death sentence, including a moral speech, of Joseph Renner, also known as Prunthaler Sepp, who was executed on September 1st, 1770 by the sword for his crimes of thievery.

Joseph Renner was executed by the sword for stealing.  This moral poem does not give a description of the crime or why Renner committed it, but it does discuss the fate of a thief, which leads to death by the wheel or the sword.   

Moral Poem of Joseph Renner

 

Moralrede.

So wenig eine Katz stellt ihre Mausjagd ein,

So wenig die natur verlangnen Hund und Schwein,

So wenig wird ein Dieb sein Krummes Handwerk lassen.

Das zeugen heut zu Tag Forst, Häuser, ofne Straßen.

Gewonheit wird bereits zur eisernen Natur,

Die sich nicht Heben läßt als durch die Galgen-Cur?.

Die Themis prahle nur mit ihrem Schrecken-Tempel,

Und weise hier und dort die blutigsten Exempel,

Wie unbarmherzig streng mit Dieben man verfährt,

Wie hart man sie bestraft durch Rade, Strick und Schwert,

So werden andre doch ein gleiches Handwerk treiben.

Bis sie das, Maas erfüllt, und gleichfalls hangen bleiben.

Ihr lasterhaftes Öhr hört nicht des Bluts Geschrey,

Den Galgen seHn sie zwar und wandren frech vorbey.

Soll man für jeden Dieb ein hanfnes Halstuch drehen/

So würde bald an Flachs die größte Noch entstehen,

Und hieb Asträeus Zorn den ganzen Schwarzwald aus,

Und machte jeden Stamm zum Galgen Vogel-Haus,

So würde sich. die Zahl der' Diebe doch nicht mindern,

Man lieste doch nicht nach zu rauben und zu plündern.

Der Diebe sind so viel, als Flocken in dem Schnee,

Als Körner in den Sand, als bällen in der See.

Nun fragt es sich, woher kommt ihre große Menge,

Da die Gerechtigkeit doch straft so hart und strenge?

O sucht nur,, sucht nur nicht um diese Quelle lang,

Des Uedels Ursprung steckt bloß in dem Müßiggang.

Die Ameise sieht man wohl den ganzen Sommer laufen,

Sie sammelt Nahrung ein, und trägt sie in den Haufen,

Und wenn der Norden Wind bey kalter Winterzeit

Die starrende Natur mit Flocken überstreut,

Liegt das versorgte Thier in Hemer Kluft begraben,

Und kann sich ungestöhrt an seinen Früchten laben.

Hingegen das stimmt nie mit ihrem Wesen ein, .               -              .

Im warmen Sommer faul, im Winter eifrig seyn,

Im Jänner, wem es friert, das raube Feld durchfliegen,

Und wenn der Frühling kommt, im Müßiggänge liegen.

So macht es nicht ein Mensch, der von der Erde stammt,

Und welchen Gottes Zorn zu Pflug und Schweiß verdammt.

 

Der Arme weigert sich zu hauen, und zu graben,

Und schnappet doch nach Brod, er will zu essen haben

Aus seiner Bärenhaut, auf der er schnarchend liegt,

Von Wollust, Müßiggang, und Freiheit eingewiegt.

Allein er wird gar bald nach seinem Schlaf erfahren,

Das Brod und Trägheit nie sich miteinander Paaren,

Was macht er dann? er stihlt, durchstreift« Stadt und Land,

Und setzet in Gefahr den Nagel an der Wand,

Sucht seine Diebes-Weid aus ungekehrten Banken,

Schleicht wie ein Fuchs herum voll Bosheit, list und Ränken,

Schlägt heut der Fischsug fehl, so wird er morgen gut,

Und ein beglückter Fang verschaft ihm Herz and Muth

Noch hundert andere von gleicher Art zu wagen,

Der Mann ist stark genug, er kann die Schläge tragen

Wenn es misslingen soll, und sängt man ihn auch ein.

Das macht zur Sache nichts, es wird nicht ewig seyn,

Man koepft und henkt nicht gleich, der Sturm geht bald vorueber,

Und kommt er einmal durch, so stihlt er desto iieder.

 

Seht einen Sünder hier zur Schädelstätte gehn,

Der mit geschärftem Aug nach fremden Gut gesehn.

Sein Fischen ohne Netz, und Angeln ohne Keder,

Kommt ihm nun theur genüg, es kostet ihm sein Leder,

Es kostet ihm sein Blut', er trieb diess Handwerk lange

Bis er, der Fischer selbst in eine Keusche sprang.

Geht ein für allemal der Dieben kläglichs Ende!

Der schlaue Renner gieng dem Hoescher ln die Hände,

Da er den frischen Raub aus seinen Schultern trug,

Sein letzter Fischzug war, der allerschlimmste Zug,

Das Wasser färbt sich nun mit seinem eignen Blute,

Der Henker steht schon da mit seiner Angel-Ruthe,

er schlägt sie wirklich ein, der Kopf wird nun zum Fisch,

Er beitzt schon an» er steht schon auf dem Galgen-Tisch,

Dem Volk zum Schaugericht, zum Futter für die Raben

Die wenigst fuer sich wolfeile Zeiten haben.

Joseph Renner Moralrede