Moralrede Corpus

Here is the Corpus of all 7 Moral Poems/Songs from our 101 documents.  Please feel free to use this corpus for your own individual research.  To use this corpus simply copy and paste the text file into a word document or plug it into a textual analysis tool such as Voyant.  

 

 

Moralrede.

So wenig eine Katz stellt ihre Mausjagd ein,

So wenig die natur verlangnen Hund und Schwein,

So wenig wird ein Dieb sein Krummes Handwerk lassen.

Das zeugen heut zu Tag Forst, Häuser, ofne Straßen.

Gewonheit wird bereits zur eisernen Natur,

Die sich nicht Heben läßt als durch die Galgen-Cur?.

Die Themis prahle nur mit ihrem Schrecken-Tempel,

Und weise hier und dort die blutigsten Exempel,

Wie unbarmherzig streng mit Dieben man verfährt,

Wie hart man sie bestraft durch Rade, Strick und Schwert,

So werden andre doch ein gleiches Handwerk treiben.

Bis sie das, Maas erfüllt, und gleichfalls hangen bleiben.

Ihr lasterhaftes Öhr hört nicht des Bluts Geschrey,

Den Galgen seHn sie zwar und wandren frech vorbey.

Soll man für jeden Dieb ein hanfnes Halstuch drehen/

So würde bald an Flachs die größte Noch entstehen,

Und hieb Asträeus Zorn den ganzen Schwarzwald aus,

Und machte jeden Stamm zum Galgen Vogel-Haus,

So würde sich. die Zahl der' Diebe doch nicht mindern,

Man lieste doch nicht nach zu rauben und zu plündern.

Der Diebe sind so viel, als Flocken in dem Schnee,

Als Körner in den Sand, als bällen in der See.

Nun fragt es sich, woher kommt ihre große Menge,

Da die Gerechtigkeit doch straft so hart und strenge?

O sucht nur,, sucht nur nicht um diese Quelle lang,

Des Uedels Ursprung steckt bloß in dem Müßiggang.

Die Ameise sieht man wohl den ganzen Sommer laufen,

Sie sammelt Nahrung ein, und trägt sie in den Haufen,

Und wenn der Norden Wind bey kalter Winterzeit

Die starrende Natur mit Flocken überstreut,

Liegt das versorgte Thier in Hemer Kluft begraben,

Und kann sich ungestöhrt an seinen Früchten laben.

Hingegen das stimmt nie mit ihrem Wesen ein, .               -              .

Im warmen Sommer faul, im Winter eifrig seyn,

Im Jänner, wem es friert, das raube Feld durchfliegen,

Und wenn der Frühling kommt, im Müßiggänge liegen.

So macht es nicht ein Mensch, der von der Erde stammt,

Und welchen Gottes Zorn zu Pflug und Schweiß verdammt.

 

Der Arme weigert sich zu hauen, und zu graben,

Und schnappet doch nach Brod, er will zu essen haben

Aus seiner Bärenhaut, auf der er schnarchend liegt,

Von Wollust, Müßiggang, und Freiheit eingewiegt.

Allein er wird gar bald nach seinem Schlaf erfahren,

Das Brod und Trägheit nie sich miteinander Paaren,

Was macht er dann? er stihlt, durchstreift« Stadt und Land,

Und setzet in Gefahr den Nagel an der Wand,

Sucht seine Diebes-Weid aus ungekehrten Banken,

Schleicht wie ein Fuchs herum voll Bosheit, list und Ränken,

Schlägt heut der Fischsug fehl, so wird er morgen gut,

Und ein beglückter Fang verschaft ihm Herz and Muth

Noch hundert andere von gleicher Art zu wagen,

Der Mann ist stark genug, er kann die Schläge tragen

Wenn es misslingen soll, und sängt man ihn auch ein.

Das macht zur Sache nichts, es wird nicht ewig seyn,

Man koepft und henkt nicht gleich, der Sturm geht bald vorueber,

Und kommt er einmal durch, so stihlt er desto iieder.

 

Seht einen Sünder hier zur Schädelstätte gehn,

Der mit geschärftem Aug nach fremden Gut gesehn.

Sein Fischen ohne Netz, und Angeln ohne Keder,

Kommt ihm nun theur genüg, es kostet ihm sein Leder,

Es kostet ihm sein Blut', er trieb diess Handwerk lang»

Bis er, der Fischer selbst in eine Keusche sprang.

Geht ein für allemal der Dieben kläglichs Ende!

Der schlaue Renner gieng dem Hoescher ln die Hände,

Da er den frischen Raub aus seinen Schultern trug,

Sein letzter Fischzug war, der allerschlimmste Zug,

Das Wasser färbt sich nun mit seinem eignen Blute,

Der Henker steht schon da mit seiner Angel-Ruthe,

er schlägt sie wirklich ein, der Kopf wird nun zum Fisch,

Er beitzt schon an» er steht schon auf dem Galgen-Tisch,

Dem Volk zum Schaugericht, zum Futter für die Raben

Die wenigst für sich wolfeile Zeiten haben.

Moralrede.

Qui cum fure participat, odit animam fuam Prov. 29

 

der holzstoss wesset noch die jämmerliche Spur,

Auf welchem Gablers Seel,zu jenem Richter fuhr,

Der nicht betrügen kann, und nicht bewogen werden:

Der ausgebrannte Leib ist Asche, Staub, und Erden,

Und liegt an diesem Ort mit Erde zugedeckt,

Bis der Posaunethon ihn wieder auferweckt.

Mit Schrecken sahen wir vor eben neunzehn Tagen

Das traurigste Gerüst hier in der Hoehe ragen;

Wir sahen jenen Pfahl, und die Maschine wohl,

An welchem Gablers Leib gedrosselt schmachten soll:

Doch was der Arme hat an Geist und Leib empfunden,

Als man ihn Hinderwerts die Hände fest gebunden,

Was er gedenkt, gefühlt, wie ihm das Herze schlug,

Aus seiner Kehle schon den letzten Athemzug

Durch Strick, und Feur zugleich der Henker prophezeyhte.

Und in dem Angesicht so vieler tausend Leute,

Sein toedtlich Handwerk trieb, weis keiner sonst als er;

Des Todes Anblick war ihm viel erschrecklicher

Als selbst die Qual des Tods. Wie fahren noch zusammen,

Wenn unßer Sinn gedenkt an das Gekrach der Flammen,

Und wie der arme Leib voll Unrath , und Gestank

 Auf sein entbrannes Gras verbrennend niedersank.

Ihr Spötter: habt ihr auch wohl dieses Feuer betrachtet,

Die ihr Hoelle bloss fuer Kinderpossen achtet,

Fuer Maerchen, die ein Pfaff aus Eigennuss erdacht,

der Teufeln noch so schwarz und peinen graesslich macht?

 

Läßt die Gerechtigkeit sich hier so schrecklich finden,

Mie wollet ihr denn GOtt erst dort die Hände binden?

Glaubt nur das jene Glut, die Seel und Leiber frisst,

Nicht ein gemaltes Feur, kein Traum der Pfaffen ist.

Ihr werdet, doch vielleicht, vielleicht zu spät erkennen

Ein nur zu wesentlich, und gar zu wahres Brennen.

Ach! Armer denke doch du gehst auf Tag und Nacht

 Zum Land der Ewigkeit, wo Heil, und Jammer wacht;

Kein Tritt, du wirst zugleich nach ihrem Reich getragen:

Kein Schlag an deinem Puls, du hörst sie stärker schlagen:

Kein Augenblick, du siehst sie näher vor dir stehn,

Unb hier erzürnt, und dot vergnügt entgegen gehn.

Wie? darfst du deinem GOtt auch einst die Hände drücken.

Und dich in seinem Saal, und Heiklgthum erquicken?

Wie? weil er ewig ist, wirst du auch Heil, und Trost,

Der Auserwählen Glück, der reinen Geister Kost,

So langdu leben wirst, ln Zions Mauren schmecken,

Und dich mit frohem Arm nach deinem Schöpfer strecken?

Wie? oder wird er einst dein strenger Richter fern?

Kommt dein gerechter GOtt mit ewig langer Pein,

Mit Ungestimm, und Zorn, mit Folter, Rad, und Zangen

Wann die Posaune klingt, zu seinem Grab gegangen?

O Seele! mache dich nur bald von Sünden frey,

Bedenke, daß der HErr, dein Schöpfer ewig sey,

Und den, der dem Laster dient, in tausend Jammer führe,

Und den, der Tugend liebt, mit Glück und korbern ziere.

Ihr, die ihr GOtte« Haus und Heiligthum entehrt,

AufKirchenschätze bös von Kirchcnschätzen zehrt,

Ihr starken Geister ihr, die ihr euch so versteiget,

Daß ihr das stolze Knie vor GOtt nicht einmal beuget,

Wenn

Wenn ihr des Priesters Hand vor allem Volk erhebt,

Du Pharisäer Volk, das auf den Schein nur lebt,

GOtt mit l^en Lippen bloS, und nicht im Herzen ehret,

Auf Publikanen stucht, und anderst thut, als lehret;

Ihr alle, die ihr euch an seinem Haus vergreift,

Wißt, daß die Strafe schon in eurem Busen reift!

Geht eine neue Prob an diesen armen Sünder,

Wie er des Frevel straft dort schärfer hier gelinder,

Der Unvorsichtige nahm Theil an GOtteS Raub,

Und wird, wie Gabler, nicht verwandelt zwar in Staub,

Doch muß er durch das Schwerdt sein Leben spöttlich enden,

Er muß zu jenem GOtt nun Llug und Herze wenden, /

An dessen Gegenwart er vormals nicht gedacht,

Er hat sich diesen Gang, den Kreutzgang selbst gemacht:

Sein aufgesteckter Kopf mag immer Spehe stehen,

Wenn nur die Himmelfahrt wird gut von statten gehen.

Der Kreutzzug geht schon an, der Henker und der Scheg

Begleiten ihn, wohin? acb! auf den Galgen »Berg.

Wird er den letzten Streich geduldig überwinden,

So mag er heute noch im Himmel Zutritt finden.

Nun Büsser! sey getrost, stell deinen Kummer ein,

Die Liebe läßt dich nicht hier ohne Hoffnung seyn,

Sie kommt, und kämpft, und siegt mit Waffen dich zu gürten,

Womit du zwingst, und beugst, die dich bekriegen würden.

Der Geist, des Vaters Geist hilft deiner Schwachheit auf,

Stärkt dich mit Kraft und Macht, befördert deinen Lauf,

Versüßt daS letzte Weh. versalzt die Luft der Erden,

Meitzt, wenn die Hände schwach, die Füße müde werden,

Führt über Golgotha, weißt recht zum Heilgen Stamm,

Lenkt das verirrte Schaaf nach diesem GOttes Lamm.

Tränkt,wenn die Zunge dorrt, stärkt dir geschwächten Glieder,

Und giebt dir nach dem Fluch des Segens-Erbtheil wieder.

Dieß ist der starke Schild, den dein Erlöser schenkt,

Und der bewährte Trost, wann Welt und Sunde kränkt.

Drum wann sich alle Pein, und Angst und Roth verschwören,

Dich, weil du kämpfen musst, in deinem Kampf zu stöhren,

So glaube, daß der Herr, der deinen Raub bewegt,

Der Held, der deine Last auf seinem Rücken trägt,

Der Geist, der deinen Arm zum letzten Todskampf treibet,

Dir bey völlkommner Reu getreu, und gnädig bleibet.

Und seht! der schwere Streit ist wirklich nun vorbey,

Die losgemachte Seel ist ihrer Banden frey.

Ihr Eltern schauet doch in diesen Schreckenspiegel

Läßt euren Kindern doch nicht selber Zaum und Zügel,

Ein wohl gerathner Baum muß jung gebogen seyn,

Prägt ihrem Herz die Furcht und Liebe GOtteS ein! 

Man sieht, wie mancher Mensch noch eine Kinderlehre

Das ganze Jahr hindurch noch eine Predigt höre,

Weil ihm die Zeit hierzu und Weile nicht erkleckt,

Die sich beym Sauf-Lager auf halbe Nächte strekt.

Man sieht, wie lange man bey Bühnen müßig sitzet

Und in der Kirche gleich das Ohr gewaltig spitzet,

So bald ein Priester kommt, der eine Messe lißt,

Die nicht geschwinder aus, als angefangen ist.

Gebt GOtt, was GOtteS ist, dem Kaiser seinen Groschen,

In einem solchen Herz, wo Gottesfurcht erloschen

 Wächst keine gute Frucht, so sorget dann und wacht,

Und nehmt der Kinder Heil, noch weil es Zeit in acht.

 

Moralrede.

Wo Menschenliebe fehlt, bricht der Gesellschaft Band,

und in Verlegenheit kämmt Volke, Stadt, und Land.

Der Raub, und Mordbegier, und tausend andern Plagen

pflegt ein vergalltes Herz, die Fackel vorzutragen.

Kein Laster Ist so groß, das nicht ein Mensch begeht,

der seine Augen nur nach fremden Schaden dreht,

derauf des Nächsten Fall sein Glücke sucht zu gründen,

doch Meschenliebe, wo, wo bist du nun, zu finden?

Vielmehr erblicke ich die Händel dieser Welt,

den boesen Lauf der Zeit lm Spiegel vorgestellt;

ich finde nichts als List, und weder Treu noch Glauben,

ich sehe Narren blühen, und kluge Leute schrauben;

in Ehen Zank, und Haß, in Freundschaft Unbestand:

bald schrecket uns der Krieg, bald Hunger, Pest , und Brand.

Wir fühlen Joabs Kuß, und hinterwärts sein Eisen;

das Laster rüstet sich die Tugend zu verweisen:

des Pharisäers Stolz nimmt schoene Masquen vor,

Er, der Gerechte sinkt, und Hochmuth steigt empor.

Ich sehe überhaupt in groß und kleinen Ständen,

in aller Welt Bezirk, an allen Ort und Enden

das Leben und die Zeit der hundert zwanzig Jahr,

eh Noe mit dem Bau der Arche fertig war.

Die allgemeine Ruh wird aber meist gestöhret,

von einer Menschenart , die sich vom Raub nähret;

biß irrende Gesind, von welchem man kaum weiß

wo es gebohren Ist, ein giftig Erdgeschmeiß,

das, wo man solches kaum von einem Orte treibet,

am andern wiederum zur Landsplag sitzen bleibet,

ein schlimmer Gartenwurm , der voller Unflat ist ,

und manches schoenes Kraut bis auf den Stengel frißt,

durchschwärmet Stadt und Land , geht aus auf Raub und Beute,

lebt sorgenlos dahin von Morgen bis auf heute.

Der fleißge Landesmann, der seinen Acker baut.

dem ungepflügten Feld den Samen anvertraut.

der sich mit vieler Mueh, und sauren Schweisse Naehret,

wird von dem Muessiggang beraubet, und entehret,

zermartert und gequalt, nicht selsten auf ein Wort,

ganz ausserordentlich in vollem Grimm ermodt.

die Fructhe seiner Mueh, sein Haufen und Ersparen,

soll dem verruchten Volk durch ihre Surgel fahren

Auch seine besste Zeit, die Stunden seiner Ruh

bringt der nie sichre Baur mit Furcht und Schrecken zu

ehdessen war die Racht die rechte Zeit der Plage:

jetzt gehen sie Rottenweis, und gar beyn hellen Tage.

Die Rauber sind versehn mit Stahl und Schiessgewehr,

Im Fa? man ihnen ruckt zu leibe naeher her.

der freche Raueberglaubt es ungestraft zu wagen,

bekuemert sich gar nicht, was die Gesetze sagen,

macht seine Sache fort, und denktet allzumahl:

wie klein ist doch anisst? der Giraf Grempel? Zahl

sie schaleft, die Themis schaleft. o Glaubt es nicht verbrecher!

die Themis wacht noch jetzt und haelt den schwefelbecher,

der euch isst langst bestimmt, bis an dem Rande voll:

der Langmuth trosset ihr, sie mrkt den Freyel wohl;

sie pfleget jeden so, wie ers verdient zu segnen,

lohnt Fromme, lasset stich auf Lasterhafte requen

Feuer, Schwefel, und zudem des Ungewitters?

ist deren Reiches Theil, die auch und gottlos sind,

geht hin, ihr werdet doch der Stafe nicht entgehen

ihr blutigs Heiligthum ist immer noch versehen,

mit Waffen ihres Zorns.  O hoft doch keine Gnad,

Frueh, oder foath euch Galgen, Schwert und Rads

ja nach derselben Mass, wie ihr es unterfangen,

erwartet euch der Zwick von hiessgemachten Zangen

So, wie der Bossheit Grimm von Grad zu Gnade steiget,

steigt auch die Art des Tods, wie dieses Beyspiel zeiget.

Hoert, die Gereichtigkeit ruft heut mit lauter Stimme,

sie ruft in vollem Zorn und richterlichem Grimme.

Moralrede

 

zittert Diebe, zittert Räuber, Themis Eifer ist erwacht,

sie verfärht mit Blitz , und Donner, ist entsetzlich aufgebracht.

Galgen, Rade, Strick, und Schwert, als gemeine Todesstrafen,

waren nicht im Stande mehr euern Frevel abzuschaffen.

Ja es kam euch gar zu Sinne, weil kein Hochgericht mehr war,

daß der oede Platz geworden eurer Bosheit Frey  Altar.

Doch wie sehr betrogt ihr euch, ihr unmenschliche Barbaren,

seht! jetzt wird dir Rache sich ungleich schärfer offenbaren.

Rach dem Wachsthum eurer Bosheit wächst auch sie von Grad zu Grad,

und die Straf ist angemessen jeder schweren Missethat.

Ihr

Ihr die Ihr das Land gemacht fast zu einer Moerder Grube

schwitzet nun den Frevel aus In der bangen Folterstube,

und von da aus müßt Ihr wandern nach dem neuen Hochgericht,

wo man euch de Lebensfoden auf verschiedene Weise bricht.

Strafende Gerechtigkeit, dort, dort ist dein grauser Tempel,

dort ergießet sich dein Zorn durch die blutigsten Erempel.

 

Schreckbar ist dein Stafgeraethe, O wie siehst in deinem Haus

fuer gebunde Missethaeter so betruebt und klaeglich uas,

ward ein Suender kurz vorhin auf der Schleife ausgefuehret,

wessen herze wird nicht jetzt, waer es auch von Stein, geruehet.

Da man sieht den armen Suender auf die Kuhaut hingestreckt

mit erbelichtem Angesichte, schier mit Staub, und Roth bedeckt,

wie er seufzet, heult und kirrt bey dem Biss der heissen Zange,,

und (o Gott!) wie wird ihm erst so entsetztlich angst, und bange,

wer beschreibet mir den Schrecken, so durch Mark und Beine dringt,

da er seine Schedelstaedte endlich zu Gesichte bringt?

Jetzt, jetzt wird er schon entbloesst! o wie zittern seine Glieder,

jetzt schon, jetzt schon legt er sich auf sein hartes Sterbbett nieder,

schon macht sich der Wurgmann fertig, schon hebt er das Rad empor,

schon erfolget Stoss auf Stosse; schmetternd klinget in dem Ohr

eines unzehlbaren Bolts der Gebeine ______ Krachen,

jetzt muss das zerquetschte herz seiner ____ ein Ende machen,

jetzt zerstueckt man seinen Körper in vier Theile, jeder wird

nach den hauptort des Verbrechens, und des Raubens abgeführt:

Schaut ihr Diebe, Raeuber schaut hier in diesen Schreckenspiegel,

da hang euer Kamerad, da hangt euer Windefluege

Stueckweis an den Viertelgalgen: kennt ihr dieses blasse haupt?

Dessen ist es, der die Leute ausgepluendert, und beraubt.

O ihr bloss in Menschenhaut eingehüllte wilden Tieger,

lasst es euch zur Warnung sein, seht die Strafe, werdet klüger,

wie ihr andern ausgemessen, so misst man euch wieder ein,

uund ihr werdet euers Raubes niemals lange fröhlich seyn

 

Hoert eine Mordgeschichte an

Die schröcklich ist zu lesen,

Kein ähnlich Beyspiel sahe man,

Das schröcklicher gewesen

Ein boeses Weib würgt Menschen hin,

Um ihren habsuchttSvollen Sinn.

Noch siehet man das Haus alldor

 Ganz leer und Oede,stehen.

Wo dieser unerhoerte Mord

So grausam ist geschehen;          . ..

Ein Graun den Wanderer überzieht.

Wenn er es nur von ferne steht.

Ein Landmann, "der im Wohlstand war,

 Frau und zwey Kinder hatte,

Der lebte noch vor einem Jahr .

Froh dort in jener Rathe

Sein Sohn war mannbar, frey't und nahm

 Den Hof, der Ihm zu Erbe kam.

Es fand sich auch ein Bräut'gam an.

Der bald die Tochter holte.

Das was nun zwar reicher Mann

Den sie gar gerne wollte;

Doch war er brav und reger Fleiß

Errang ihm überall den Preiß.

Die Tochter war sehr misvergnuegt

Den Bruder reich zu sehen.

Und ausgesteurt nach Recht und Pflicht

vom hofe so zu gehen;

Sie sinnt nun nach auf einen Plan,

Wodurch sie alles erben kann

Sie geht zur Stadt, wo sie bekannt

und sucht da zu erhalten

Ein Gift, Ursenicum gennant,

es wird ihr vorenthalten,

doch Luegen halfen ihr- sie sagt

Sie sey von Ratten sehr geplagt

Sie geht nun froh und wohlgemuth,

den Plan auch auszufuehren,

und denkt, es geht schon alles gut,

man muss nicht Zeit verlieren.

Sie kommt nun hin ins Elternhaus

Und findet sie beym Kirmesschmauss

Die ihrigen sind alle froh,

sie bey sich heut zu sehen,

an einem Feste, das sie so,

in jedem Jahr begehen

Sie stellt sich freundlich, tanzt und lacht,

und denkt ist nur dein Plan vollbracht.

Forh, bis der hahn am Morgen kraeht.

War alles auf den Beinen,

Es ward getanzt, es ward gedreht,

vom Grossen bis zum kleinen;

Doch, ach!-- Der Sonne schoener Strahl

Begruesste sie zum letzten Mal

die Mutter macht zum Mittagsmahl

nun wieder Anstalt heute

es waren sechse an der Zahl

Ins haus gehoernde Leute:

die alten Eltern Frau und Sohn,

und Knecht und Magd in Bord und lohn.

die Mutter knetet einen Taig,

um Kloesse draus zu machen,

die Tochter zu ihr sogleich

und spricht von andern Sachen,

so unvermerkt versteckt und fein,

Thut sie das Gift ins Mehl hineine

Sie bleibt nicht lange mehr, da nun

die schwarze That geschehen;

sie sagt sie woll um auszuruh'n,

zu haufe wieder gehen;

geht nun auch ganz vergneugt und leicht,

und denkt, bald ist sein Zweck erreicht

Ja Fuerie, das wird er bald,

Bald wird dein Werk geschehen,

Sechs Menschen wirst du nun bald kalt,

und leblos vor dir sehen.

Doch Thoerin, glaub', dass Gott es sah,

ein schröcklich Ende ist dir nah.

Der Mittag rueckte schnell heran,

man setzte sich zum Essen,

die Kloesse schmeckten jedermann,

doch plagte unterdessen

den alten Vater Uebelkeit

und Schmerz im Leibe, dass er schreit

Die Wirkung wurde allgemein,

Sie fuehlten Todesschmerzen;

Die Nachbarn hoerten nun ihr Schrei'en

mit wehmuthsvollem herzen

Erschienen sie, doch keiner war,

der Steuern konnte der Gefahr.

Sie sterben alle, Weib und Mann,

und Knecht und Magd darneben.

Die Nachbarn seh'n ihr Ende an

mit Schaudern und mit Beben

Sie holten einen Arzt herben,

zu seh'n was hier zu machen sey

Der Arzte erschien, die Sache ward

Gereichtlich aufgenommen,

die Tochter, die des Ausgangs harrt,

war auch mit angekommen

Sie stellt sich klaeglich heult und schreit

als thaete ihr dies herzlich leid.

die Sache wurde bald bekannt

Im nahgeleg'nen Staedtchen

ein Buerger kam gleich angerannt

Sagt aus, das dieses Maedchen

Arsenicum bey ihm geholt,

Womit es Ratten toedten wollt.

Sie wurde nun gleich eingesperrt

Ihr Urtheil bald gesprochen,

und ihre That so unerhoert

auch bald an ihr gerochen,

die Strafe war der That nun gleich,

hoert an, ich wills erzaehlen Euch.

die rechte hand ward abgehau'n,

Ihr Körper in vier Theile

Zerrissen- schröcklich anzuschau'n

war diess, ihr Angstgeheule

durchtoente auch die trübe Luft

der Rabenstein ward ihre Gruft.

nehmt dieses Lied zu herzen nun,

Ihr Menschen die ihrs leset;

Send immer gut in Eurem Thun;

bis dass ihr einst verweset;

So habt ihr Achtung, Lieb und Lohn,

Auch hier auf dieser Erde schon.

 

 

Beschluß der vorigen drey Moralreden.

 

Nun ist der Samstag da, sein Bruder folgt ihm nach,

Das Schwerdt ist schon entblößt, sein rundes Schlafgemach

Liegt in dem Grase dort, und wartet auf die Glieder,

Ihr Unglückselige, o ihr fast gleiche Brüder!

Im Leben, und im Tod! wie muß dir Caspar Rhain!

Vor deinem Tode noch ein harter Anblick seyn?

Wer schildert mir das Meer der wallenden Gedanken,

Wenn du des Bruders Leib siehst an dem Galgen wanken?

O jaemmerliches End O schreckenvoller Tag!

Der unter einem Herz vor wenig Loch lag!

Dein Bruder Hannß Georg fault dreyen Saulen,

Und du must auf dem Rad nicht weit von ihm verfaulen,

Da heißt es wahrlich auch nichts Bruder in dem Spiel:

Ihr hattet beyderseits ein gleiches Lebensziel,

Und must zu gleicher Zeit an einem Orte sterben,

Der hangend in der Luft, du auf dem Rad verderben.

Seht! dieses ist der Lohn, die Beute, der Gewinn,

Den euch die Raubbegier läßt an dein Ende ziehn!

Gesellschaft! ach wie weit verleiht du die Sinnen,

Daß sie nichts ehrliches, nichts Gutes mehr beginnen?

Nebst Schwaigern giengest du zum Raub nach Olstatt fort

Der Claußner öfnete die Thür auf Sinons Wort:

Ihr greift ihn an, es folgt ein scharfes Handgemenge:

Doch Zahl, und Stärke trieb den Claußner in die Enge

Indem er allbereit durch einen Schlage Ring

Diel Wunden an dem Kopf, und anderswo empfieng,

 

Ohn

 

Ohnmöglich koennt er sich von euer Hand erretten,

Ihr hieltet (fromme Lust!) mit ihm die Pumpermetten,

Weil eben dazumal die Marterwoche war.

So lauft die Einsamkeit auch selber in Gefahr!

So wird die Armuth selbst ein Raub der Lotterbuben?

Allein die Grube, die sie ihrem Nächsten gruben,

Wird ihres Grabes Theil, und die Gerechtigkeit

Erhört des Blutes Ruf, das Rache! Rache! schient;

Die Jugend wird da nicht an diesem Ort verschonet,

Ein jeder wird nach Maaß der Frevelthat belohnet.

Ihr, die ihr immerhin nach fremden Garben seht.

Und wie ein Raubethier auf Blut, und Raube geht,

lenkt eure Augen hin zu dieser Schedelstätte,

Und nehmet wohl in acht das bange Strafgeräthe!

Drum ach! Ihr Sünder thut in euerm Spiel gemach!

Auf kurze Luste folgt ein jammervolles Ach:

Der Schöpfer lebt, und rächt, die Zeit, und Glück verscherzen

mit ungemesstner Qual, mit unerhoertem Schmerzen

Er lebt, und kürzt das Ziel der frechen Sünder ab

Graebt dem Verfuehrer Schwarm ein Angsterfuelltes Grab;

Er lebt, und läßt das Herz derjenigen zerspalten,

Die sich an keine Pflicht, und Tugend-Regel halten

Er lebt, regiert, und herrscht in alle Ewigkeit» ,   ^

 

läßt den der Engel des Blut und Eyter trinken.

Und, will sem Tempel glänz  Schwerdt, als Krone blinken.

wolh dem, der Busse thut, und hier noch auf der Welt,

Roch in der Gnadenzelt GOtt in die Hände fällt,

Wer noch wie Dismas kann am Creutze Gnad erwerben,

Und hier geduldig stirbt nicht ewig Dort zu sterben

 

 

 

Moralrede Corpus