Bartholomäe Moralrede

Well-deserved death sentence, including a moral speech, of Bartholomäe N., known as Tyrollean Barthl, who was executed by strangulation, although his inhuman robberies deserved to be punished by being broken on the wheel, on May 25th, 1781 in Munich.

This moral poem discusses the negative implications of stealing and serves to explain why an individual would steal.  Towards the end of the poem the deathly fate of an individual who steals is also mentioned.

 

Moralrede for Tyrollean Barthl

 

Moralrede.

Wo Menschenliebe fehlt, bricht der Gesellschaft Band,

und in Verlegenheit kämmt Volke, Stadt, und Land.

Der Raub, und Mordbegier, und tausend andern Plagen

pflegt ein vergalltes Herz, die Fackel vorzutragen.

Kein Laster Ist so groß, das nicht ein Mensch begeht,

der seine Augen nur nach fremden Schaden dreht,

derauf des Nächsten Fall sein Glücke sucht zu gründen,

doch Meschenliebe, wo, wo bist du nun, zu finden?

Vielmehr erblicke ich die Händel dieser Welt,

den boesen Lauf der Zeit lm Spiegel vorgestellt;

ich finde nichts als List, und weder Treu noch Glauben,

ich sehe Narren blühen, und kluge Leute schrauben;

in Ehen Zank, und Haß, in Freundschaft Unbestand:

bald schrecket uns der Krieg, bald Hunger, Pest , und Brand.

Wir fühlen Joabs Kuß, und hinterwärts sein Eisen;

das Laster rüstet sich die Tugend zu verweisen:

des Pharisäers Stolz nimmt schoene Masquen vor,

Er, der Gerechte sinkt, und Hochmuth steigt empor.

Ich sehe überhaupt in groß und kleinen Ständen,

in aller Welt Bezirk, an allen Ort und Enden

das Leben und die Zeit der hundert zwanzig Jahr,

eh Noe mit dem Bau der Arche fertig war.

Die allgemeine Ruh wird aber meist gestöhret,

von einer Menschenart , die sich vom Raub nähret;

biß irrende Gesind, von welchem man kaum weiß

wo es gebohren Ist, ein giftig Erdgeschmeiß,

das, wo man solches kaum von einem Orte treibet,

am andern wiederum zur Landsplag sitzen bleibet,

ein schlimmer Gartenwurm , der voller Unflat ist ,

und manches schoenes Kraut bis auf den Stengel frißt,

durchschwärmet Stadt und Land , geht aus auf Raub und Beute,

lebt sorgenlos dahin von Morgen bis auf heute.

Der fleißge Landesmann, der seinen Acker baut.

dem ungepflügten Feld den Samen anvertraut.

der sich mit vieler Mueh, und sauren Schweisse Naehret,

wird von dem Muessiggang beraubet, und entehret,

zermartert und gequalt, nicht selsten auf ein Wort,

ganz ausserordentlich in vollem Grimm ermodt.

die Fructhe seiner Mueh, sein Haufen und Ersparen,

soll dem verruchten Volk durch ihre Surgel fahren

Auch seine besste Zeit, die Stunden seiner Ruh

bringt der nie sichre Baur mit Furcht und Schrecken zu

ehdessen war die Racht die rechte Zeit der Plage:

jetzt gehen sie Rottenweis, und gar beyn hellen Tage.

Die Rauber sind versehn mit Stahl und Schiessgewehr,

Im Fa? man ihnen ruckt zu leibe naeher her.

der freche Raueberglaubt es ungestraft zu wagen,

bekuemert sich gar nicht, was die Gesetze sagen,

macht seine Sache fort, und denktet allzumahl:

wie klein ist doch anisst? der Giraf Grempel? Zahl

sie schaleft, die Themis schaleft. o Glaubt es nicht verbrecher!

die Themis wacht noch jetzt und haelt den schwefelbecher,

der euch isst langst bestimmt, bis an dem Rande voll:

der Langmuth trosset ihr, sie mrkt den Freyel wohl;

sie pfleget jeden so, wie ers verdient zu segnen,

lohnt Fromme, lasset stich auf Lasterhafte requen

Feuer, Schwefel, und zudem des Ungewitters?

ist deren Reiches Theil, die auch und gottlos sind,

geht hin, ihr werdet doch der Stafe nicht entgehen

ihr blutigs Heiligthum ist immer noch versehen,

mit Waffen ihres Zorns.  O hoft doch keine Gnad,

Frueh, oder foath euch Galgen, Schwert und Rads

ja nach derselben Mass, wie ihr es unterfangen,

erwartet euch der Zwick von hiessgemachten Zangen

So, wie der Bossheit Grimm von Grad zu Gnade steiget,

steigt auch die Art des Tods, wie dieses Beyspiel zeiget.

Hoert, die Gereichtigkeit ruft heut mit lauter Stimme,

sie ruft in vollem Zorn und richterlichem Grimme.

 



Bartholomäe Moralrede